Fachliches

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Frühgeburt - was bedeutet das aus medizinische Sicht und für die Eltern?

60.000 Kinder pro Jahr - jedes 10. Kind in Deutschland kommt zu früh zur Welt.

Frühgeburt bedeutet ein viel zu frühes Ende einer Schwangerschaft. Die Wünsche, Hoffnungen und Fantasien, die wir mit der Geburt des Kindes verbunden haben, zerplatzten. D. h. die Geburt erfolgt mit weniger als 37 Schwangerschaftswochen - eine Schwangerschaft dauert normalerweise 40 Wochen. Damit sind Frühgeborene die größte Patientengruppe bei Kindern (im Vergleich: 1.800 Krebsneuerkrankungen bei Kindern unter 15 Jahren, 6.000 Kinder mit angeborenen Herzfehler pro Jahr).

Als besonders kleine, unreife Risiko-Frühgeborene gelten Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 g und weniger als 32 Schwangerschaftswochen. In Göttingen sind dies jährlich mehr als 70 Kinder. Sie werden durchschnittlich 3 - 4 Monate in der Klinik intensivmedizinisch behandelt. Danach gehen heutzutage über 90 % gesund nach Hause.

Das Hauptproblem ist die extreme Unreife aller Organe. Die Kinder sind Hochrisikopatienten und brauchen optimale Versorgung für eine möglichst unbeschwerte weitere Entwicklung.

Mit der Geburt beginnt für Eltern eine lange Zeit zwischen Hoffen und Bangen, Trauer und Zuversicht, Verzweiflung und Mut, immer abhängig von der Entwicklung des Kindes.

In der medizinischen Versorgung stehen die Kinder im Mittelpunkt - aber wo bleiben die Eltern?

Eltern von Frühgeborenen sind extrem belastet und oft traumatisiert durch:

- die frühe und plötzliche Trennung vom Kind

- die Ungewissheit über die weitere Entwicklung

- das Verspüren einer großen Hilflosigkeit am Brutkasten und die furchteinflößende Verkabelung ihres Kindes, sowie die unbekannte Geräuschkulisse

- das zerbrechlich wirkende Kind

Und nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sind Eltern von der Frühgeburt betroffen. Normalität stellt sich langsam und manchmal gar nicht ein.

Als betroffene Eltern sind wir zuerst zutiefst verunsichert:

- Was tun, wenn sich mein Kind langsamer entwickelt als andere?

- Wo bekomme ich die beste Förderung?

- Warum habe ich immer Angst um mein Kind?

- Sind alle Frühchen so wie meines?

- Geht es anderen Eltern auch so wie mir?

Neben einer optimalen medizinischen Versorgung sind starke Eltern und eine gute Bindung die wichtigsten Entwicklungsvoraussetzungen für Frühgeborene!

Als Elternverein setzen wir uns für die Familien von Frühgeborenen in Göttingen und Umgebung ein!

Was bieten wir an?
- Regelmäßige Besuche in der Frauenklinik und auf der Frühgeborenenstation (0133 + 0132)
- Regelmäßige Elterntreffen zum Erfahrungsaustausch (teilw. mit Referenten), Weitervermittlung von Fördereinrichtungen....
- Treffen für die ganze Frühchenfamilie
- Eltern-Kind-Gruppe für frühgeborene Kinder von 0 bis 3 Jahren
- Vätertreffen
- Familientage mit gemeinsamen Unternehmungen
- Entspannungsabende für Frühchenmütter
- Jährliches Frühchenfest
- Jährliche Teilnahme an der Tour d´Energie mit kleinen und großen Radlern
- Massagegutscheine für Eltern in der Klinik
- Tipps im Umgang mit dem Frühgeborenen Kind
- Weitergabe und Austausch persönlicher Erfahrungen mit anderen Eltern
- Weitergabe von Adressen von Fördereinrichtungen

Dieses kleine Wörterbuch soll den Eltern frühgeborener Kinder helfen, medizinische Fachausdrücke zu verstehen, die im Krankenhaus immer wieder gebraucht werden.

A

Abdomen - Bauch
Abszeß - Eiteransammlung in einer Gewebehöhle
Alveolen - Lungenbläschen
Analgetika - Schmerzmedikamente
Anämie - Blutarmut, Verminderung des roten Blutkörperchen und des roten Blutfarbstoffes
Anamnese - Erhebung der persönlichen Krankengeschichte des Patienten
Anästhesie - Narkose
Antibiotika - Medikamente zur Behandlung bakterieller Infektionen
Antikoagulation - Hemmung der Blutgerinnung
Anurie - Urinproduktion der Niere fällt aus
Aorta - Hauptschlagader des menschlichen Körpers
Apnoe - Atemstillstand
Asphyxie - Sauerstoffmangel
Asystolie - Herzstillstand
Atelektase - nicht mit Luft gefüllter Lungenabschnitt
Atemnotsyndrom - alle Zustände beim Neugeborenen mit Luftnot, beschleunigter Atemfrequenz und Untersättigung des Blutes mit Sauerstoff
Auskultation - Abhören der Körpergeräusche mit dem Stethoskop
Azidose - Übersäuerung des Organismus

B

Bilirubin - Gallenfarbstoff
Blutbild - Bestimmung der Bestandteile des Blutes (Zellzahlen)
Bradykardie - verlangsamter Herzschlag
Bronchopulmonale Dysplasie - Überempfindlichkeit der unreifen Lunge von Frühgeborenen (Gefahr von Lungenentzündung, Asthma)

C

Cerebralparese (CP) - Schädigung des Gehirns mit den Folgen einer Spastik der Muskulatur
CPAP - Atemunterstützung
CRP - Entzündungswert im Blut

D

Dehydratation - Austrocknung / Flüssigkeitsmangel
Diuretika - harntreibende Medikamente zur Entwässserung des Körpers
Ductus (arteriosus Botalli) - Gefäßverbindung zwischen Aorta (Hauptschlagader des Körpers) und Lungenarterie, veschließt sich bis zum 3. Lebensmonat
Dyspnoe - Atemnot/ Kurzatmigkeit

E

Echokardiographie - Ultraschalluntersuchung vom Herzen
Embolie - plötzlicher Verschluß eines Gefäßes durch Blutgerinnsel
Erythrozyten - rote Blutkörperchen
Extubation - Entfernen des Beatmungsschlauches

G

Gestose - Schwangerschaftsvergiftung

H

Hämangiom -Blutschwämmchen
Hämoglobin (HB-wert) - roter Blutfarbstoff
Hämolyse - Zerfall der roten Blutkörperchen
HELLP-Syndrom - Sonderform der Schwangerschaftsvergiftung
Heparin - Stoff zur Hemmung der Blutgerinnung (siehe Antikoagulation)
Herz-Echo - siehe Echokardiographie
Hypoxie - Sauerstoffmangel

I

Ileus - Darmverschluß
Immunglobuline - Antikörper
Indomethacin - Medikament zum Verschluß des Ductus Botalle (siehe dort)
Infusion - Tropf
Inkubator - Brutkasten
Inspiration - Einatmung
intravenös (iv) - Injektion in eine Vene

K

Katheter - Schlauch
Kontamination - Verunreinigung

L

Lanugo - Behaarung am Körper des ungeborenen Kindes, welche normalerweise vor der Geburt verschwindet und bei Frühgeborenen oft noch vorhanden ist
Leistenhernie - Leistenbruch: Lücke in der Bauchwand im Bereich der Leiste
Leukozyten - weiße Blutkörperchen
Liquor - Hirnwasser, das sich in den Hirnkammern und um das Gehirn und im /um Rückenmark befindet

M

Magensonde - Schlauch, der durch die Nase oder den Mund in den Magen vorgeschoben wird und über den Medikamente und vor allem Nahrung gegeben werden kann
Monitor Bildschirm, auf dem die Körperfunktionen wie z.B. Herzschlag und Sauerstoffsätttigung oder Blutdruck kontinuierlich angezeigt werden können (mit Alarmfunktionen)

N

nasal - durch die Nase
NEC - nekrotisierende Enterokolitis: Darmwanderkrankung mit Durchwanderung der Wand durch Bakterien in den Blutkreislauf, was ein Platzen des Darmes und eine Blutvergiftung hervorruft
Neonatologie - Neugeborenenmedizin

O

Ödem - Wasseransammlung im Gewebe
oral - durch den Mund

P

Parenterale Ernährung - Künstliche Ernährung über die Vene
Phototherapie - UV-Bestrahlung bei zu hohem Bilirubinwert (siehe dort), das Bilirubin wird durch das UV-Licht in eine wasserlösliche Form gespalten und kann über die Nieren ausgeschieden werden
Physiotherapie - Krankengymnastik
Pneumothorax - Luftansammlung zwischen Lungenoberfläche und Rippenfell durch das Platzen von Lungenbläschen
Pulsoxymeter - Messung von Herzschlag (Puls) und Sauerstoffsättigung des Blutes

R

Retinopathie - Erkrankung des Augenhintergrundes

S

Sauerstoffsättigung - Sauerstoffgehalt des Blutes
Sectio - Kaiserschnitt
Sepsis - Blutvergiftung
Silastik-Katheter - kleiner Schlauch, der bis zum Herzen durch eine große Körpervene vorgeschoben wird, darüber kann man dann Medikamente geben
Surfactant - BESCHREIBUNG FEHLT

T

Thrombozyten - Blutplättchen
Trachea - Luftröhre
Transfusion - Gabe von Blutkonserven (Fremdblut)
Tubus - Beatmunsschlauch

V

Ventrikel - Kammer (z.B. Herzkammern, Hirnkammern)

W

Wärmebett Bett - mit angewärmter Matratze, wenn das Kind die eigene Körpertemperatur noch nicht halten kann

Z

ZVK zentraler Venenkatheter - Schlauch der über das Venensystem bis zum Herzen vorgeschoben wird und über den man Flüssigkeiten und Medikamente geben kann